Der Liebe hinterher laufen

Warum laufen manche Menschen der Liebe hinterher? So wie ich. Andere Menschen wiederum sehen sich in der Gewissheit, geliebt zu werden, keinem Stress ausgesetzt, sind viel ruhiger und ausgeglichener, bleiben bei sich, verbiegen sich nicht und bringen den anderen, den vermeintlich Schwächeren zur Weissglut, zur Verzweifelung, weil er sich stets und ständig vergeblich bemüht und ihn zu einer Art Liebesblödigkeit treibt. So meine Beobachtung oder ist es nur eine Fantasie?

Liebe ich meine Frau tatsächlich? Oder handelt es sich um die Reste der Angst aus meiner Jugend, ist es ein Festhalten, aus Sorge, allein nicht klar zu kommen? Oder gar eine Bequemlichkeit? Hört sich hart an, von Zeit zu Zeit denke ich so.Vor M. war ich sehr verzweifelt. Meine Frau spiegelte mir nicht meine Gefühle, wollte nicht reden, gab mir keine Antworten, ich fühlte mich unbeantwortet. Zugegeben, sie ist nicht die Frau, die gern über sich redet und ihr Inneres nach außen kehrt. Ihre Sorgen und Probleme macht sie mit sich ab. Schon immer. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt war das okay, scheinbar veränderte ich mich und ich wollte es anders. Nicht nur über andere und anderes reden, sondern auch über uns, über sie, über mich.

In dieser Konstellation fühlte ich mich unwohl, da ich mich nicht als typischer Mann empfand. “Musst du immer so viel reden?” fragte sie mich vorwurfsvoll. Ihr war das zu anstrengend, über sich zu erzählen, also erzählte ich über mich, fand aber kein gegenüber in ihr.

M. war schon eine die logische Konsequenz.  Ich ließ sie gern in mein Vakuum. Von jetzt auf sofort redeten wir, stundenrund. Später verkehrten sich die Vorzeichen, sie konnte dann schon tiefer gehen, als ich, aber ich fand das faszinierend, zu reden und zu reden. Nichts und niemanden um sich herum zu benötigen, um Leere zu füllen. Es war gut, wie es war, zusammen mit ihr. Auch wenn die Zeit kurz und knapp war. Warum bin ich nicht bei M. geblieben?

Weil ich mich trotz aller Sehnsucht und unerfüllter Träume innerlich nicht von meiner Frau gelöst habe. Ich spüre doch noch immer dieses Gefühl zu ihr. Zartbitter. Zeitweise frage ich mich, ob ich überhaupt veränderungsfähig bin. Ich will nicht ungerecht sein, sicherlich war es nicht an der Zeit, die Zeit war nicht reif.

“Die Fesseln zu erkennen und sie zu durchtrennen,” wie Johanna in einem Kommentar sagte, sind zwei Aspekte, erkennen, okay. Durchtrennen hört sich leicht an, nur, wie geht das? Habe ich das bereits getan? Veränderungen, wie manifestieren sie sich? Im Kleinen oder im großen, im Sichtbaren oder im Unsichtbaren? Meine Frau wird sich solange nicht ändern, wie sie nicht muss, weil meine Aktion sie nicht zu einer Reaktion zwingt.

Um auf meine Einleitung zurückzukommen, wenn ich nicht mehr um die Liebe betteln muss oder wenn ich sehe, da ist nichts zu machen, ich muss gehen, ohne Angst der Erpressbarkeit, ohne Angst vor Einsamkeit, ohne Schuldgefühle. Ja, dann bin ich weiter.

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4 Antworten zu Der Liebe hinterher laufen

  1. Anne schreibt:

    Man könnte sicherlich lange darüber philosophieren, was denn Liebe eigentlich sei. Aber ich glaube, ein Punkt, weshalb man aneinander festhält, ist auch die gemeinsam verbrachte Zeit. Niemand holt dies auf oder ersetzt das. Gemeinsam Erlebtes, Durchlebtes. Geprägt durch das Gegenüber. Wie viel ist mir das wert, diese Art von Gemeinsamkeit? Diese Vertrautheit.
    So lange man nicht völlig entgegengesetzt läuft, dass es keinen Zweck hat, beieinander zu bleiben, wird dies wohl immer für einen Fortbestand einer Beziehung sprechen…
    (Denn da kommen wir wieder zur Frage, an welchem Punkt setzt denn nun die “Liebe” an?!)

    An Deiner, Eurer Situation würde mich ohnehin noch mehr die Einstellung Deiner Frau interessieren! Wie trägt sie das alles? Wie geht sie mit den Verletzungen um? Kämpft sie um Euch, um Dich? …

    Gruß, anne

  2. Rachel schreibt:

    Ich kenne zwei Sätze:

    Was du hast, weißt und kennst du – was kommt, wie es wird, weißt du nicht.

    und:

    Mit der/dem Zweiten sieht man besser.

    Ich glaube, auch die Zeit prägt die Menschen. Sie lässt mit uns sehr viel Gewohnheit zu. Darin steckt vielleicht deine Frau. Du hast dich weiter entwickelt, willst anderes.
    Doch dann liegt es wirklich an beiden, einen gemeinsamen Nenner zu finden…
    Ach, es ist alles so leicht gesagt, aber schwer getan…

    ich war gern hier…

    LG, Rachel

  3. Judith schreibt:

    Hallo ;-) Du schreibst ganz am Anfang “… bleiben bei sich und verbiegen sich nicht …” Das ist, denk ich, der Schlüssel. Wenn du dich gefunden hast, wenn du weißt wer oder was du bist, was für Träume, Wünsche und Ziele du hast, ja dann kannst du in dir sicher sein. Ich hab in meinem Blog eine Metapher eingestellt (Der Stuhl) lies es mal, dann weißt du vielleicht was ich meine.
    Lieben Gruß, Ju
    (Ach ja, und vielleicht suchst du die Liebe mal im Herzen, statt im Kopf?)

  4. lichtkommunikation schreibt:

    Zwei Punkte möchte ich dir mit auf den Weg geben:

    Punkt 1: Warum wir der Liebe hinterherlaufen: Weil wir die Liebe in uns nicht gefunden haben. Wir brauchen das Gegenüber, um bestätigt zu werden und das Gefühl von Liebe zu spüren. Solange wir es aber nicht geschafft haben, uns selbst wirklich innig und aufrichtig zu lieben, werden diese Beziehungen wieder scheitern.
    Alles was du tust, jede deiner Reaktionen hat den Ursprung in die selbst. Hier liegt der Schlüssel. Liebe dich selbst! (Vorgestern habe ich dazu Tipps in meinem Blog gegeben, die ich nun hier nicht alle wiederholen möchte…)

    Punkt 2: Erkennen und durchtrennen:
    Indem du erkennst, nimmst du diesen Teilen einen großen Teil der Kraft und Macht. Was du kennst, kannst du bearbeiten, was du nicht kennst, hat eine Magie über dich, die du nicht fassen kannst. Du bist ihr machtlos ausgeliefert.
    Das durchtrennen ist ein Prozess, den du im Erkennen automatisch begonnen hast. Du hast diesen Prozess noch nicht abgeschlossen, aber er wird sich abschließen nach und nach.
    Die Frage ist, möchtest du die Verbindung denn wirklich aus ganzem Herzen trennen? Nur wenn du dir darüber im Klaren bist, kannst du dich loslösen.
    Lass deine Gedanken in Meditationen schritt für schritt glasklar werden :)

    Alles Liebe
    Johanna

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