Ich schreibe seit Monaten über meine Affäre, über die Beziehung zu einer Frau, die viele Gefühle in mir weckte, zu der ich tiefe Gefühle hatte und auch noch immer habe.
Aber ich schreibe fast so, als wäre ich der erste Mann, der Gefühle für eine andere Frau hatte, sich fremdverliebt hat, fremdgegangen ist, unglücklich verliebt war.
Ist das alles hier ein Bohei? Wie wirken meine Worte, sind sie anmaßend?
Nachdem ich M. das erste Mal wiedersah an diesem sonnigen Sonntag, wollte ich sie unbedingt treffen, Zeit mit ihr verbringen, sie im Arm halten, ihr nah sein, ohne Öffentlichkeit, ohne Zeitdruck, mich einfach mit ihr fallen lassen könnten. Gleichzeitig zeriss mich Unmöglichkeit dieses Wunsches, wie es anstellen, sie wohnt ja nicht mal eben um die Ecke, ich selbst fühlte mich in meinen zeitlichen Gestaltungsmöglichkeiten nicht eben frei. Nicht nur zeitlich, auch innerlich war ich nicht frei, einerseits die Nähe suchend, andererseits flüchten wollen, schon merkwürdig, dieser Zustand.
Nachdem M. wieder gefahren war und wir getrennt waren, fühlte ich mich dumpf, stumpf und einfach nur schlecht und abgeschnitten. Mir war klar, ich muss zu ihr, nur wie? Ich fasste den Entschluss, sie bereits am kommenden Wochenende zu besuchen und suchte dafür ein Alibi, fand es sehr schnell und war ersteinmal froh, eine Perspektive für meine Wünsche zu haben. Erstmal.
Das Wochenende rückte näher, meine Vorfreude schwankte wie eine Blume im Wind, von Tag zu Tag ging es mir schlechter, weil das schlechte Gewissen und die Angst einsetzte. Herzklopfen, Magendrücken und innere Pein waren meine ständigen Begleiter. Beim Schreiben dieser Erinnerungen wird mir eine gewisse Absurdität deutlich, warum ich mich eigentlich in so eine Situation gebracht habe, reine Freude war das alles nicht. Der Wunsch hingegen M. zu sehen, sie zu spüren zog mich in die genau andere Richtung, ich wollte unbedingt zu ihr. Unbedingt, keinesfalls wollte ich mich davon abbringen, sie nicht zu sehen, ich dachte, ich würde mir das nie verzeihen. Niemand, der das nicht mitgemacht hat, wird mich verstehen. Der innere Schmerz eskalierte im Laufe der Zeit derart schlimm, dass ich am Freitag bei M. absagte. Es war ein regennasser, dunkler Tag. Beim besten Willen, ich konnte nicht.
M. war sehr enttäuscht, ich war in einem Zustand, den ich fast mit Verzweiflung beschreiben möchte. Diese Gedanken und Gefühle schreibe ich hier nieder, weil sie unbedingt dazugehören, ich sie nicht im Schwange einer Mystifizierung wegglorifiziere will. Ich war überhaupt nicht klar und eindeutig und nicht skrupellos. Meiner Frau schaute ich in diesen Tagen überhaupt nicht in die Augen, ging ihr aus dem Weg, war lange im Büro oder sonstwas. So oder so, gut fühlte es sich alles nicht an.
Dennoch, bei meiner Entscheidung blieb ich nicht, weil ich sie nicht aushielt. Ich fuhr dann doch.
Deine Zeilen sind wie ein Spiegel, warum kann man den eigenen Schmerz nicht abschalten. Warum tun wir uns selbst weh, wir können nicht loslassen und würden es so gern tun. Wir sind ständig auf der Suche nach dieser einen erlösenden Antwort. Sehen wir die Liebe die uns momentan umgibt nicht, wollen wir sie nicht sehen?Es ist verrückt und immer wieder fliessen Gedanken, die uns quälen und doch kommt keine Antwort. Warum nicht, wo ist unser Denkfehler ? Was sehen wir nicht ? Das wird wohl noch ein längerer Weg. Wie dein Bild, endlos lang….
Deine Worte sind ganz sicher NICHT anmaßend! Damals hatte ich immer das Gefühl, ich wäre der einzige Mensch auf der Welt der schlechte Dinge tut, der mit dem schlechten Gewissen zu kämpfen hat und tausend Gefühle ertragen muss, die kein anderer Mensch fühlen kann..
Ich kann sehr gut nachfühlen wie es Dir ging, je näher ein Treffen kam. Vorfreude und Wünsche entwickelten sich zu einer Art Angst. …”Herzklopfen, Magendrücken und innere Pein waren meine ständigen Begleiter”… Mir ging es monatelang ebenfalls so. Ich stand ständig unter Druck, musste mit mir kämpfen, überlegen was richtig und was falsch ist, um sich am Ende entscheiden zu müssen. Aus Angst diese eine heimliche Person zu verlieren, tat ich Dinge, für die ich mich heute unsagbar schäme!
Hast du darüber geschrieben?
Gruß
autum
Ja das habe ich. Wie auch Du habe ich all meine Gedanken und Erlebnisse in einem Blog niedergeschrieben. Und ich muss sagen, dass mir das Schreiben sehr gut getan hat. Vor allem aber auch war mir das Feedback der Leser sehr wichtig! Vor einigen Monaten habe ich dieses Blog geschlossen, weil ich keinen Sinn mehr sah daran festzuhalten. Andererseits finde ich es sehr schade dass ich mein Erlebnis unter Verschluss halte. Wahrscheinlich aus Angst es könnte jemand entdecken, jemand.. für den diese Zeilen nicht gedacht sind/waren. Vielleicht denke ich auch, andere könnten glauben.. ich möchte mich damit in den Vordergrund stellen, mich wichtig tun, oder ähnliches. Seitdem ich Dein Blog lese, überlege ich, ob ich die Einträge aus diesem einen Blog zusammenfasse und einen ganzen Text daraus mache und diesen dann in mein aktuelles Blog stelle. Denn so oft ich auch versuche das Ganze abzuschütteln, desto mehr bleibt davon übrig und je mehr beschäftige ich mich damit. Warum also geheim halten?
@merle @autum. Zweifelt beide nicht an dem was war und ja gebt es weiter, soviele ziehen Kraft und Bewunderung aus euren Zeilen. Weil man liebt oder geliebt hat,hat man nichts Schlimmes getan. Man hat gefuehlt ,gelebt und vielleicht das Glueck dich selber wiederzufinden und kann erkennen wie wundervoll wir und unser Leben ist. Macht weiter loest damit euren Schmerz mit auf. Danke
Ach, tun wir uns nicht wahnsinnig schwer? ….weil das schlechte Gewissen und die Angst einsetzte…..ach, das schlechte Gewissen… Ich kann die innere Zerrissenheit nachvollziehen, gewiss. Aber was tun wir uns um Gottes Willen an, wenn wir unseren innersten Gefühlen nicht folgen und – aus Tradition?, um ein Bild unserer selbst aufrecht zu erhalten?- den status quo fortsetzen? Zu welchem Preis? Und vor allem: was will Dir dieses heftige Gefühl mitteilen?
Vermutlich ist das Konzept der Ehe schlicht eine Überforderung. Nach 10, 15 Jahren ist, zumindest in vielen Ehen, die Luft schlicht weg, der Alltag frisst die Leidenschaft weg, der eine entwickelt sich in diese, der andere in eine andere Richtung. Jeder Mensch braucht seine Oasen, seine Geheimnisse. Konventionen können uns auch schlicht krank machen – und der Partner merkt es ja ohnehin früher oder später, dass “etwas nicht mehr stimmt”. Cui bono?
@M.erle: editiere doch die “verräterrischen” Passagen um. Es gibt genug Menschen, die Hilfe und Trost in ähnlichen Situationen suchen..
@autum: Ich verstehe nicht, was du mit anmaßend meinst. Was soll amnaßend sein? Über deine Gedanken zu schreiben? Warum, du siehst ja, was das in Bewegung setzt.
Zu deiner Geschichte: Ich sehe da einen Jungen, der sich nicht traut, wirklich vom Kuchen zu naschen, der ihm hingestellt wurde. Wie oft ist doch das Problem, dass man noch nicht mal die “Geschenke”, die einem hingestellt werden vom Leben, annehmen kann, weil das moralisierende Über-Ich über-Hand gewinnt? Natürlich gibt es auch noch den Beziehungsvertrag mit deiner Frau, das steht auf einem anderen Blatt – aber ist hier nicht das Symptomatische, die Sache nicht bis zum Ende zu führen, wie so oft? Den Fuß nicht über die Schwelle zu führen, hinaus in die Freiheit?
Anmaßend ist eine Bewertung, sicherlich spielt bei der Verwendung des Begriffs mein inneres Werteschema eine Rolle, wie bei M. gestand ich mir in einem Moment nicht zu, hierüber zu schreiben. Wie “gut” doch die Erziehung funktioniert, eine angstbesetzte Mutter wirkt nach, ein wenig präsenter Vater nicht ausgleichend. Sichtbar die Folgen.
Ich staune über die Gefühlsoffenheit bei Euch Männern.Ich dachte das können nur Frauen.Es tut richtig gut zu lesen und neue Dinge dabei zu erkennen.Es beweist uns auch,das wir vielmehr aus dem Herzen zeigen sollen,ob Worte oder Bilder,wir bewegen etwas und es ist nicht bloß irgendwo hingeschrieben.Es steht da und jeder(wer es zuläst)kann soviel davon für sich mitnehmen. Man lernt selbst offener zu werden und es tut einfach nur noch gut. Meine verrücktesten Erfahrungen zur Zeit sind Begegnungen, von Anfang eine klare Linie und du erlebst Wunderbares. Ich hätte das früher nie getan und man trifft so wundervolle Menschen. Wir lernen mit jeder neuen Begegnung ueber uns.Gefühle und Zuneigung sollten nie als etwas schlechtes betrachtet werden ,nur weil es unser Gesellschaftsbild nicht möchte.Wir sind es uns selbst schuldig,da nicht mitzuspielen. Wir sind einzigartig,weil wir anders und offener denken. Danke an alle niedergeschrieben Gedanken und Gefühle.
KATRIN ich war damals sehr erstaunt wie viel Resonanz ich auf meine Einträge bekam. Ich war erstaunt darüber dass es so viele Menschen gibt, die ähnliches wie ich erlebt haben oder gerade mittendrin waren. Kaum einer traut sich auszusprechen/auszuschreiben was er/sie erlebt hat. Vielleicht tut man wirklich etwas gutes damit und gibt anderen Kraft. Oh ja, ich hatte das Glück mich DANACH wiederzufinden ;o)
MANNWERDUNG, das wäre eine Möglichkeit. Wie ich oben Katrin schon antwortete, ich war erstaunt wie viele Menschen ähnliches erlebt haben. Und prompt fühlt man sich selbst nicht mehr so allein in dieser Situation und vor allem verstanden..
Merle:
ich habe es autum schon geschrieben, sein Blog, seine Worte, waren mein Schutz, nicht in diese Falle zu laufen. Ich habe den Schmerz gelesen, ich habe das Leid gelesen und ich habe gelitten. Ich bin sogar soweit gegangen,den Bloglink weiterzuleiten an diesen Menschen und er hat die Worte nicht verstanden. Was hat das mit uns zu tun, war die Antwort. Ich hätte da schon aufwachen müssen und habe es nicht getan. Ich hoffte auf eine Freundschaft ohne Beziehung, ohne Affäre und wurde dabei nur verletzt. Ihr seht beide, auch das kann schon weh tun. Was bedeutet dann erst euer Schmerz ? Wie benutzt fühlt man sich ? Es waere wohl anmassend zu sagen , ich kann es fühlen. Das fühlt man nur selbst. Aber immer wieder lese ich eure Zeilen und die Antworten und erkenne , es war richtig aus dem Herzen zu entscheiden, auch wenn es schmerzt. Ihr wart und seid mir dabei mehr als verbunden, Danke für eure Gedanken.
Ich glaube nicht, autum, dass es anmaßend ist, über seine Gefühle zu schreiben. Seine Gedanken festzuhalten. Auch wenn ich mich, vielleicht hast Du es vermutet?, in der absolut gegensätzlichen Situation befinde, in der Deiner Frau, ist es für mich sehr wohl auch interessant, Deine /seine Seite zu hören, zu lesen und vielleicht auch ein Stück weit zu begreifen. Obwohl da natürlich viel Schmerz ist. Und meine Verletzungen, meine Wunden mich sehr kritisch äugen lassen…